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SOMA – Ein „lebendes Bild“: Installation von Carsten Höller / Der Fliegenpilz (124)

Carsten Höller. SOMA
5.11.2010 – 6.02.2011

Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin
Invalidenstraße 50–51
10557 Berlin

Öffnungszeiten:
Di–Fr 10 bis 18 Uhr
Sa 11 bis 20 Uhr
So 11 bis 18 Uhr

Preise:
Carsten Höller. SOMA 8 Euro / 4 Euro
Sammlungen und SOMA 12 Euro / 6 Euro

Publikationen:
Carsten Höller. SOMA, Dokumente
Hatje Cantz, Deutsch/Englisch. Ca. 128 Seiten, ca. 45 Abbildungen,
davon 32 farbig. Broschur, 15 Euro.

Ab dem 12.11.2010 erhältlich im Shop vor der Ausstellung sowie online unter www.somainberlin.org

„Auf der Suche nach einer anderen Welt geht Carsten Höller mit seiner
Installation im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart dem Ursprung
von Soma nach, einem mythischen Rauschtrank der indogermanischen
Veden im 2. Jahrtausend vor Christus. Soma verhalf zu Erkenntnis
und Zugang zur göttlichen Sphäre, zu Glück und Siegeskraft.
Die überlieferten Schilderungen lassen darauf schließen, dass ein Gewächs
den zentralen Inhaltsstoff lieferte; dessen Identität ist jedoch bis
heute unklar. Aus botanischer, ethnologischer und etymologischer Sicht
könnte es sich um den Fliegenpilz gehandelt haben.

Aus diesem Sachverhalt heraus, entwickelt Carsten Höller in der gesamten
Historischen Halle des Hamburger Bahnhofs ein Szenario zwischen
Labor und Vision, vermeintlicher Objektivität und gesteigerter Subjektivität.
Vor den Augen der Betrachter entfaltet sich ein raumgreifendes „lebendes
Bild“; ein symmetrisches Experimentierfeld, das sich längs seiner
Mittelachse in zwei Hälften teilt und im Doppelblindversuch die gewöhnliche
Welt mit dem Reich des Soma vergleicht. Es ist ein Experiment,
dessen Vollendung in der Vorstellung der Betrachter liegt und dessen
Auswertung ihrer Beobachtungsgabe unterliegt. Auf einer pilzförmigen
Plattform inmitten der Anordnung befindet sich ein Bett, in dem Gäste die
Möglichkeit haben, eine Nacht im Museum zu verbringen und in die Welt
des Soma einzutauchen.“

(Quelle: Pressemitteilung vom 3. November 2010 / www.somainberlin.org)

Lesenswerte Artikel zum Projekt finden Sie hier:

Rauschzustände unter Riesenpilzen“ (SPIEGEL ONLINE) und
Eine Nacht im Museumszoo“ (Deutschlandradio Kultur)

– Dank an Achim Zubke und Edzard Klapp für die Hinweise!

Das dem Artikel vorangestellte Fliegenpilz-Bild wurde freundlicherweise
zur Verfügung gestellt von:

Verein der Freunde der Nationalgalerie
Potsdamer Straße 58
10785 Berlin
www.freunde-der-nationalgalerie.de

Ein Kommentar

  1. Edzard Klapp
    Posted 29. November 2010 at 12:34 | #

    Das Begleitbuch “SOMA – Dokumente“, verfaßt von Carsten Höller, herausgegeben von Udo Kittelmann & Dorothée Brill, Hatje Cantz 2010 | Nationalgalerie Staatliche Museen zu Berlin, ISBN 978-3-7757-2764-8 ; zu beziehen über den Museum-Shop “Museum & Service“, Potsdamer Strasse 58, 10785 Berlin [mail@museum–service.de] gehört in die Hände jedes thematisch Interessierten. Es bietet eine seriöse Heranführung an die vertrackte Thematik. Um letztere gänzlich zu verstehen, muß man ohnehin mehrere Jahrzehnte aufwenden. Denn so lange braucht es, um andressierte Blockaden zu überwinden.

    Es fällt auf,
    • daß Höller den (umstrittenen) britischen Autor John M. Allegro (“The Sacred Mushroom and the Cross“, Hodder and Stoughton 1970) nicht erwähnt und
    • daß ihm die Ausstellung über die rituelle Verwendung des Fliegenpilzes aus dem Jahre 1997 in Königlichen Tropenmuseum Amsterdam unbekannt geblieben zu sein scheint.

    Letztere stand unter dem Motto “Was beseelt den Schamanen ?“, sie wurde unter Mitwirkung der deutschen Ethnologin Alexandra Rosenbohm, die zu dem Thema promoviert hatte, erarbeitet und bot (erstmals in Westeuropa !) erstklassige Stücke aus dem Fundus des Anthropologischen Museums St. Petersburg. Man konnte dort authentische Film- und Ton-Aufnahmen russischer Forscher aus den 1920er und 1930er Jahren sehen und hören. Rentiere wurden in Amsterdam zwar nicht ausgestellt, doch konnte der Besucher auf einer extra erbauten Brücke über die Länge des Saals schreiten und das Ganze von oben her betrachten, wobei einer der Aufstiege als Weltenbaum (Birke) dekoriert war. Über die Amsterdamer Ausstellung ist seinerzeit auch in deutschen Zeitungen berichtet worden.

    In dem von Wasson herausgegebenen Buch “SOMA – Divine Mushroom of Immortality“ werden auch (nebst Abbildung) litauische Grabbretter in Krötenform erwähnt und gezeigt. Auf dem Friedhof von Nidden (Nida), Kurische Nehrung, sind derartige Stücke noch heute zu sehen. Was hat das mit Pilzen zu tun? Nun, man betrachte einmal ein solches Grabbrett (unschwer zu sehen bei wikipedia Bildprogramm, wenn man “Nidden“ und “Grabbrett“ eingibt) und man wird unschwer sehen, daß damit ein “Krötenstuhl“ (englisch “toadstool“) dargestellt sein soll – seltsamerweise mit einem Kopf in Form einer Tulpenblüte. Auch letzteres hat Bezüge zum Jenseits und zu den Jenseits-vorstellungen der alten Balten, Pruzzen und Kuren. Näheres kann man bei Marija Gimbutas (in deren Dissertation) nachlesen. E sollte erwogen werden, daß “Unsterblichkeit“ ein Synonym für “Jenseits“ ist, wer im Jenseits weilt, hat nicht mehr teil am Leben der Lebenden. Man sollte daher überlegen, ob man tatsächlich aktuell auf Unsterblichkeit erpicht ist.

    In einem Blog zum Thema “Fliegenpilz“ findet sich der Hinweis, John M. Allegro sei früher Jesuit gewesen. Wer sich so etwas ausgedacht hat, hat nichts verstanden, und wer solchen Unsinn weitergibt, eben so wenig. Weiter wird promulgiert, auf Allegro ginge die Gleichsetzung des Jesus Christus mit dem Fliegenpilz zurück. [Näheres bei “Allmystery“, Blog Lessow=4]. Abgesehen von einigen nicht eindeutigen linguistischen Konjekturen findet sich solch eine Behauptung bei Allegro indes nicht. Demgegenüber vertrete ich die Auffassung, daß derartige Annahmen das Wesentliche verkennen: Die im Neuen Testament enthaltene Legende von der Passion und Kreuzigung Christi (einschließlich Auferstehung) läßt sich m.E. als ausführliche Schilderung eines Fliegenpilz-Trips interpretieren. Das sage ich auf die Gefahr hin, deswegen gescholten zu werden. Wenn sich aus den biblischen Erzählungen über die Passion Christi etwas herleiten läßt, dann nämlich die Aufforderung zum Erlernen der Kunst, mit Schmach und Demütigungen fertig zu werden. Für alles Weitere verweise ich auf unser demnächst erscheinendes Buch “Wasson und der SOMA“ [vgl. Fliegenpilz-Museum, Ziff. 42].

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