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„Mythos Fliegenpilz“ / Der Fliegenpilz (364)

Fliegenpilz-Experte Wolfgang Bauer bei einem Vortrag im Literatursalon zu Frankfurt am Main:
„Mit erhobenem Zeigefinger warnte der Vortragende eindringlich vor den Gefahren der Anderswelt!“

„In paradoxer Weise steht der „giftige“ Fliegenpilz einerseits als Symbol für die Gefährlichkeit der Natur. Andererseits gilt er in unserer Alltagskultur als Symbol des Glücks. Er schmückt Kinderzimmer, Wohnungen und Gärten und begleitet Feste im Jahreslauf, erfreut Jubilare und wird gern in der Kunst wie auch in der Werbung als unwiderstehlicher Augenfänger eingesetzt. Auch in der fantastischen Literatur, in Kriminalromanen und Filmen hat er eindrucksvolle Auftritte.
In Bilderbüchern erscheint der Fliegenpilz oft als „Männlein im Wald“. Fragt man Kinder, wo die rotzipfligen Zwerge wohnen, nennen sie oft den Fliegenpilz.
In alten Zeiten benutzten Schamanen und Priester den Pilz bei ihren Seelenreisen zu Geistern und Göttern. Das Geheimnis um seine rituelle Verwendung wurde in archaischen Kulturen streng gehütet. Spuren des Gebrauchs finden sich in Legenden, Mythen und Zaubermärchen; vielleicht auch in der Vorstellung eines Gralsgefäßes mit dem wundertätigen Blut und in der Suche der Alchemisten nach dem wunderwirkenden Stein der Weisen.
In der Volksbotanik hatte er seinen Platz als Heilmittel wie auch heute noch bei Heilpraktikern und naturheilkundlich arbeitenden Ärzten.
Wird der Pilz ausgepresst, erscheint eine goldgelbe Flüssigkeit („Zwergenwein“), die, respektvoll! aus einem Pokal getrunken, den wagemutigen Forscher entweder ins Koma versetzt oder ihn mit Glück einen anderen Bewusstseinszustand erleben lässt, bei der die gewohnte Realität (Zeit, Raum, Körper, Umgebung und Glaubens- und Weltbilder) drastisch verändert scheint.“

(Foto: Angelika Steiger)

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